Inhalt
- 1. Der Status quo in Zahlen
- 2. Die Beratungsarbeit, die KI verändert
- 3. Der Zusammenbruch des Pyramidenmodells
- 4. Der Erdrutsch bei der Preisgestaltung (Zeit → Ergebnisse)
- 5. Was sich NICHT ändert — der wesentliche Wert
- 6. Gewinner und Verlierer: Giganten gegen Boutiquen
- 7. Rat für Anwärter und Klienten
- Zusammenfassung
- FAQ
„Durchgemachte Nächte über Foliensätzen. Endlose Recherche von Hand." Dieser Initiationsritus für Junior-Berater knirscht inzwischen hörbar. McKinseys interne KI „Lilli" durchforstet über 100.000 Dokumente in Sekunden und entwirft sogar Foliensätze; BCGs „Deckster" poliert PowerPoint im Handumdrehen fertig. Einer Analyse zufolge ließen sich rund 80 % der Recherche- und Folienarbeit eines Junior-Analysten durch solche Werkzeuge ersetzen — in Sekunden.
Hier das Fazit. KI strafft die „Arbeit" der Beratung (Recherche, Folien, Analyse) gnadenlos, während der wesentliche Wert — was man fragt, wie man interpretiert und wie man den Klienten bewegt — beim Menschen bleibt. BCG berichtete, dass rund 25 % seines Umsatzes von 14,4 Milliarden Dollar im Jahr 2025 (etwa 3,6 Milliarden Dollar) aus KI-bezogener Beratung stammten, und die Branche steht an einem seltenen Wendepunkt. Als nächster Beitrag unserer Reihe „KI-Auswirkungen nach Branche" nach #068 (Handelsunternehmen) und #094 (Marketing und Werbung) zeichnet dieser Artikel die laufenden Veränderungen in der Beratung nach: den Zusammenbruch der Pyramide, den Wandel der Preisgestaltung, den unveränderlichen Kern, Gewinner und Verlierer sowie Rat für Anwärter. Alle Zahlen sind von Anbietern bzw. Umfragen veröffentlichte Werte und variieren je nach Bedingungen.
Die Pyramide bricht zu schlanken Expertenteams zusammen
— Die Arbeit wird automatisiert; der Wert wandert zum „Urteilsvermögen"
Die Fleißarbeit an der Basis geht an die KI. Was bleibt, ist die „Spitzen"-Arbeit — Fragen stellen, interpretieren und den Klienten bewegen.
* Die Investitionssummen, Umsatzanteile, Produktivitäts- und Preismodell-Zahlen in diesem Artikel sind Zitate von Anbietern bzw. Umfragen veröffentlichter Werte (Stand 2026) und enthalten Best-Case- oder segmentspezifische Zahlen. Die Realität variiert je nach Firma und Mandat.
1. Der Status quo in Zahlen
„Die Beratung verändert sich mit KI" ist keine Prognose mehr — es ist eine laufende Realität. Messen wir zunächst die Temperatur anhand der berichteten Zahlen (alle veröffentlicht, bedingungsabhängig).
- Massive Investitionen: Die Big Four (Deloitte, PwC, EY, KPMG) und die führenden Strategiehäuser (McKinsey, BCG, Bain) sollen seit 2023 zusammen über 10 Milliarden Dollar in KI gesteckt haben. PwC kündigte eine dreijährige Investition von 1 Milliarde Dollar in generative KI an; KPMG eine Allianz mit Microsoft im Wert von rund 2 Milliarden Dollar.
- Hauseigene Werkzeuge: McKinseys „Lilli" durchsucht über 100.000 interne Dokumente in Sekunden und spart bei Recherche und Wissenssynthese etwa 30 % der Zeit. BCGs „Deckster" automatisiert das Polieren von Folien.
- KI als Umsatzsäule: BCG berichtete, dass rund 25 % seines Umsatzes von 14,4 Milliarden Dollar im Jahr 2025 (etwa 3,6 Milliarden Dollar) aus KI-bezogener Beratung stammten.
- Produktivität: Eine Studie der Harvard Business School mit 758 BCG-Beratern ergab, dass KI-Nutzer 12,2 % mehr Aufgaben erledigten, 25,1 % schneller und mit über 40 % höherer Qualität.
Kurz gesagt: KI dringt über Investitionen, Werkzeuge und Umsatz in den Kern der Beratung vor. Die Frage hat sich von „nutzen oder nicht" zu „wie verändert sich die Struktur der Branche selbst?" verschoben. Von hier an betrachten wir die Aufschlüsselung.
2. Die Beratungsarbeit, die KI verändert
Beratungsarbeit ist breit gefächert, doch die Wirkung der KI ist bei den „praktischen" Phasen am größten. Die Zahlen des vorigen Abschnitts bauen sich vor allem hier auf.
① Recherche & Informationsbeschaffung
KI erledigt Markt-, Wettbewerbs- und Branchenvorarbeit in Sekunden. Auch das Zusammenfassen und Ordnen riesiger Dokumentmengen wird automatisiert.
② Foliensätze & Präsentationen
Entwürfe von der Struktur bis zum Design automatisch generieren. Die Methoden aus Folien mit KI erstellen lassen sich direkt anwenden.
③ Datenanalyse & Modelle
Datenanalyse, Finanzmodelle und Szenarien beschleunigen — und sogar die Grundlage für Erkenntnisse aufbauen.
⑤ Neue Serviceangebote
„KI-Strategie und Einführungsbegleitung" selbst wird zur neuen Einnahmequelle. KI taucht in Angriff und Verteidigung gleichermaßen auf.
Beachten Sie ⑤. KI nimmt der Beratung nicht nur Arbeit weg — sie hat einen riesigen neuen Markt im „Begleiten von Klienten bei der KI-Einführung" geschaffen. Tatsächlich wirkt KI bei den großen Firmen derzeit als Nettoschaffer von Arbeitsplätzen, mit steigenden Neueinstellungen für Rollen wie KI-Strategie, Data Engineering, MLOps und Change Management. Arbeit an die KI delegieren und zugleich mit KI verdienen — diese Doppelnatur ist das wahre Bild der Beratung heute.
3. Der Zusammenbruch des Pyramidenmodells
Doch Effizienz wirft einen Schatten. Die „Pyramidenstruktur", die die Beratung lange trug — viele Juniors machen Recherche- und Folienarbeit, Seniors leiten an — wird in ihren Grundfesten erschüttert.
Der Grund liegt auf der Hand. Wie erwähnt erledigt KI einen großen Teil der Routinearbeit der Juniors (einer Schätzung zufolge etwa 80 %) in Sekunden. Das untergräbt die Prämisse der „Masseneinstellung zur Ausbildung". Tatsächlich verschiebt sich die Branche hin zu schlanken Teams aus „wenigen Menschen + KI". Und hier stellt sich eine ernste Frage — wenn Juniors weniger Gelegenheiten haben, durch Fleißarbeit Fähigkeiten aufzubauen, wie werden dann die nächsten Seniors ausgebildet?
⚠ Die Herausforderungen, die der Zusammenbruch der Pyramide erzwingt
Von Einsteigern wird vom ersten Tag an verlangt, durch den Einsatz von KI Wert zu schaffen — nicht „Ausführende" zu sein.
Das überschneidet sich mit der Debatte darüber, ob Veteranen oder Juniors stärker gefährdet sind. Über die Beratung hinaus ist „wie man Menschen ausbildet, wenn die Fleißarbeit verschwindet" die Hausaufgabe der KI-Ära für jede Branche.
4. Der Erdrutsch bei der Preisgestaltung (Zeit → Ergebnisse)
Nach der Struktur kommt das „Wie man abrechnet". Die traditionelle Einnahmequelle der Beratung — abrechenbare Stunden — wird von der KI in ihren Grundfesten erschüttert. Hier gibt es ein ironisches „Produktivitätsparadox".
🔄 Das Produktivitätsparadox
Mit KI ist ein 10-wöchiges Mandat nun in sechs Wochen abgeschlossen, und die Kosten sinken um 30–40 %. Doch bei abrechenbaren Stunden gilt: „schneller fertig = weniger abgerechnet". Mit anderen Worten: Firmen haben wenig Anreiz, KI mit voller Kraft einzusetzen — die Vorteile der Effizienz bleiben tendenziell in der Firma gefangen — ein Widerspruch.
Klienten werden diesen Widerspruch nicht hinnehmen. Die Stimme wird lauter: „Ich will nicht für einen PowerPoint-Foliensatz zahlen — ich will meine Honorare an Ergebnisse wie Kosteneinsparungen und ROI gekoppelt sehen." Einer Umfrage zufolge bevorzugen inzwischen 73 % der Beratungsklienten Preismodelle, die an messbare Ergebnisse gekoppelt sind, statt an die aufgewendete Zeit. Folglich steuert die Branche von abrechenbaren Stunden hin zu ergebnisbasierten und Festpreis-Modellen. Es ist eine Ära, in der das Honorar danach festgelegt wird, „welche Veränderung man bewirkt hat", nicht „wie viele Stunden man gearbeitet hat". Diese Denkweise zur Preisgestaltung hallt auch in der KI-Kostenoptimierung wider.
5. Was sich NICHT ändert — der wesentliche Wert
Wir haben gesehen, „was sich ändert". Doch was wirklich zählt, ist „was sich nicht ändert". Es gibt Bereiche, in denen das Delegieren an die KI Unfälle verursacht oder die sich gar nicht vollständig delegieren lassen.
KI kann gut (leicht zu delegieren)
- Recherche, Zusammenfassungen, Folienentwürfe
- Erste Datenanalyse und Modelle
- Routinedokumente erzeugen
- Optionen aufzeigen und ordnen
Bleibt beim Menschen (nicht vollständig delegierbar)
- Die Frage rahmen: erkennen, was das eigentliche Problem ist
- Interpretation & Urteil: im Kontext entscheiden
- Vertrauen: die zwischenmenschliche Fähigkeit, einen Klienten zu bewegen
- Umsetzung & Wandel: die Organisation zu Ergebnissen bewegen
Hier der Kern. KI macht „plausible Analysen" schnell und in Masse. Doch „was sollten wir fragen", „was ist in diesem Kontext richtig", „wie bewegen wir Menschen und Organisationen" — das bleibt menschliches Terrain. Eine Analyse formuliert es so: KI braucht Richtung, Rahmung und Interpretation, und „der Berater, der das System steuert, zählt mehr als das System selbst." Je tiefer Ihre Fachkompetenz, Ihre Bilanz beim Bewegen realer Situationen und Ihr Gespür für den Kontext — diese „Steuerungskraft" — desto stärker steigt Ihr Wert in der KI-Ära. Die Grenze dessen, was KI kann und nicht kann, gilt auch in der Beratung direkt.
6. Gewinner und Verlierer: Giganten gegen Boutiquen
KI schreibt auch das Kräfteverhältnis innerhalb der Branche neu. Überraschenderweise heißt es nicht zwangsläufig „Vorteil für die Giganten".
🏢 Giganten (Tanker)
- Gerüstet mit gewaltigen KI-Investitionen und hauseigenen Werkzeugen
- Haben einen neuen Markt in der KI-Strategiebegleitung gewonnen
- ⚠ Ein schwerer Schwenk weg von der Abhängigkeit von abrechenbaren Stunden
- ⚠ Große Organisationen drehen langsam bei
🚤 Boutiquen (Schnellboote)
- KI verleiht kleinen Teams Output auf Giganten-Niveau
- Differenzieren sich durch tiefe Expertise in einer Nische
- ✅ Können flink zur ergebnisbasierten Preisgestaltung schwenken
- Verbandsschätzungen nennen Wachstumsraten von bis zu 50 %
Indem sie die Schwachstelle der Boutique — die „Personalkraft" — ausgleicht, hat KI es häufiger gemacht, dass kleine Spezialfirmen den Giganten auf Augenhöhe begegnen. Die britische Management Consultancy Association (MCA) schätzt, dass die Wachstumsraten kleinerer Firmen bis zu 50 % erreichen könnten (eine veröffentlichte Zahl). Die Branche, so eine Analyse, steuert auf eine Aufspaltung in „Giganten gegen Boutiquen" zu. Es wird zu einer Ära, in der Spezialisierung und Geschwindigkeit gewinnen — nicht die Größe.
7. Rat für Anwärter und Klienten
Wie also sollten Sie handeln, je nach Rolle? Übersetzen wir die Umfrage in die Praxis.
Was meiner Meinung nach zählt, ist, dass auch die Käuferseite — die Unternehmen — klüger werden muss. In einer Ära, in der jeder mit KI „plausibel aussehende" Materialien erstellen kann, verengt sich der Wert, für den man einen Berater bezahlt, auf „ein Urteil, das das eigene Team nicht hervorbringen kann, und die Kraft, Veränderung durchzusetzen". Zu entscheiden, was man delegiert und was man mit hauseigener KI bewältigt, wird zur Beschaffungskompetenz der Zukunft.
Zusammenfassung
Hier die Auswirkungen der KI auf die Beratungsbranche, geordnet.
- Die Arbeit wandelt sich: KI beschleunigt Recherche, Folien und Analyse. BCG berichtet rund 25 % des Umsatzes aus KI-bezogener Arbeit.
- Die Pyramide bricht zusammen: Die Routinearbeit der Juniors (einer Schätzung zufolge ~80 %) wird automatisiert. Hin zu schlanken Teams aus „wenigen Menschen + KI" — mit Ausbildungsherausforderungen.
- Die Preisgestaltung verschiebt sich: abrechenbare Stunden → ergebnisbasiert und Festpreis. 73 % der Klienten bevorzugen ergebnisgekoppelte Preise (eine Umfragezahl).
- Der unveränderliche Kern: Fragen rahmen, Interpretation, Urteil, Vertrauen und Umsetzung bleiben beim Menschen. „Der Steuernde zählt mehr als das System."
- Gewinner geht es um Expertise, nicht um Größe: KI-entlastete Boutiquen steigen auf. Die Aufspaltung schreitet voran.
- Auch Klienten werden klüger: Verträge über „Ergebnisse" schließen und von Beratern Urteil und Umsetzung fordern.
Am Ende stellt KI der Beratungsbranche die Frage: „Ist Ihr Wert die Arbeit oder das Urteil?" In einer Ära, in der KI Recherche und Folien in Sekunden erstellt, zahlen die Menschen für die Kraft, das eigentliche Problem zu erkennen, eine mutige Entscheidung zu vertreten und eine Organisation zu Ergebnissen zu bewegen. Dieser Wesenskern wird eine Weile nicht ins Wanken geraten, egal wie weit die KI fortschreitet.
FAQ
Q. Wird KI Beratungsjobs beseitigen?
A. „Der Inhalt verändert sich" trifft die Realität eher als „sie verschwinden". Aufgaben wie Recherche, Folienerstellung und Analyse wandern zur KI, doch das Rahmen der Frage, Interpretation, Urteil, die Kraft, einen Klienten zu bewegen, und die Umsetzungsbegleitung gewinnen alle an Wert. Bei den großen Firmen wirkt KI derzeit zudem als Nettoschaffer von Arbeitsplätzen (in der KI-Strategiebegleitung usw.).
Q. Welche Beratungsarbeit wird durch KI ersetzt?
A. Vor allem die „praktischen" Phasen: Markt- und Wettbewerbsrecherche, Folienerstellung, erste Datenanalyse, Protokolle und Berichte. Hauseigene Werkzeuge wie McKinseys Lilli und BCGs Deckster sollen einen großen Teil der Routinearbeit der Juniors in Sekunden bewältigen.
Q. Wird es für Junior-Berater (Einsteiger) härter?
A. Die traditionelle „Masseneinstellung zur Ausbildung" schrumpft. Von Einsteigern wird vom ersten Tag an verlangt, durch den Einsatz von KI Wert zu schaffen. Zugleich entstehen neue Rollen in KI-Strategie, Daten und Change Management, daher ist es entscheidend, früh „die Kraft, Fragen zu stellen" und Nischenexpertise aufzubauen, statt Ausführungskraft.
Q. Wie verändert sich die Preisgestaltung in der Beratung?
A. Sie verschiebt sich von den traditionellen abrechenbaren Stunden hin zu ergebnisbasierten und Festpreis-Modellen. Es gibt ein „Produktivitätsparadox" — mit KI schneller fertig zu werden bedeutet bei Stundensätzen, weniger abzurechnen — und Klienten wollen ergebnisgekoppelte Preise. Einer Umfrage zufolge bevorzugen 73 % der Klienten an Ergebnisse gekoppelte Preise.
Q. Wer hat den Vorteil — Giganten oder Boutiquen (kleine Firmen)?
A. Es heißt nicht einfach „Vorteil für die Giganten". Giganten sind mit gewaltigen Investitionen und hauseigenen Werkzeugen gerüstet, doch ein Schwenk weg von der Abhängigkeit von abrechenbaren Stunden fällt schwer. Boutiquen sichern sich mit kleinen Teams per KI ihren Output und steigen durch tiefe Expertise und Wendigkeit auf. Die britische MCA schätzt, dass die Wachstumsraten kleinerer Firmen bis zu 50 % erreichen könnten (eine veröffentlichte Zahl).
Q. Worauf sollten Unternehmen achten, die Berater beauftragen?
A. Verträge über „Ergebnisse", nicht „Zeit", sind entscheidend. Setzen Sie voraus, dass Recherche und Folien mit Ihrer eigenen KI erstellt werden können, und fordern Sie von Beratern „ein Urteil, das das eigene Team nicht hervorbringen kann" und „die Kraft, Veränderung durchzusetzen". Zu entscheiden, was man auslagert und was man mit hauseigener KI bewältigt, wird zur Beschaffungskompetenz der Zukunft.
Q. Wenn ich jetzt Berater werden will, was sollte ich lernen?
A. Setzen Sie KI-Werkzeugkompetenz als gegeben voraus und schärfen Sie dann „die Kraft, das eigentliche Problem zu erkennen", „die Kraft, KI anzuleiten und zu interpretieren" und „die zwischenmenschliche Fähigkeit, Klienten und Organisationen zu bewegen". Bauen Sie zudem früh tiefe Expertise in einer bestimmten Branche oder Funktion auf. Es wird zu einer Ära, die nach der Qualität des Urteils und der Umsetzung beurteilt wird, nicht nach der Geschwindigkeit der Arbeit.