Das häufigste Missverständnis in der Solo-Entwicklung ist „baust du etwas Gutes, wird es genutzt". Tatsächlich passiert das Gegenteil: In dem Moment, in dem du den Veröffentlichen-Button drückst, wartet tote Stille. In der Web-Analytics reihen sich Nullen, und postest du es auf Social Media, kommen ein paar „Likes" von Bekannten. Hier schließen viele voreilig „mein Produkt taugte nichts" und flüchten in die nächste Entwicklung. Aber das Problem liegt oft nicht an der Qualität des Produkts. Es ist bloß niemandem bekannt.

Der wahre Engpass der Solo-Entwicklung liegt nicht im Code, sondern in der Kundengewinnung (Distribution). Dank KI sind die Kosten des „Bauens" drastisch gesunken. Jeder kann am Wochenende eine App herausbringen. Gerade deshalb ist der Wert des „bauen Könnens" gesunken und der Wert des „liefern Könnens" gestiegen. Dieser Artikel ist ein bodenständiges Handbuch, um von null die ersten 100 Nutzer/Kunden zu gewinnen. Nicht auf spektakuläre virale Hits aus, sondern die realistische Art, aus der Windstille heraus die Menschen einen nach dem anderen zu vermehren. Wer noch nicht entschieden hat, was er baut, sollte vorher einen Blick auf die gesamte Roadmap zur Solo-Entwicklung mit KI werfen und dann zurückkommen.

Fazit in 30 Sekunden

Das Rezept gegen „gebaut, aber keiner nutzt es"

Kundengewinnung beginnt vor dem Bauen
Erst nach der Fertigstellung zu werben ist zu spät. Berichte über den Bauprozess und halte am Veröffentlichungstag „Leute, die gewartet haben" bereit.
Anfangs nicht skalieren
Die ersten 10 holst du manuell, direkt, einen nach dem anderen. Für Automatisierung oder Werbung ist es noch zu früh.
Nicht verkaufen, sondern beitragen
Sei dort nützlich, wo die Nutzer schon sind. Aufdringlichkeit wird gehasst, ein Beitrag wird zu Vertrauen.

※ „100" ist nur ein Zwischenpunkt. Hast du die Form, eine Person sorgfältig zu gewinnen, wiederholst du danach nur dasselbe.

📚 Wenn du vom Bauen über Kundengewinnung bis zur Monetarisierung Schritt für Schritt selbst Hand anlegen willst, empfiehlt sich der kostenlose Kurs. Im Einsteigerkurs „Solo-Entwicklung mit KI" übst du den Ablauf Idee → MVP → Veröffentlichung → Kundengewinnung durchgängig. Legst du diesen Artikel als „Lehrbuch der Kundengewinnung" daneben, verlierst du nicht den Faden.

1. Warum es keiner nutzt = schon vor dem Bauen mit der Kundengewinnung beginnen

Die größte Ursache für „gebaut, aber keiner nutzt es" ist, die Kundengewinnung für den letzten Arbeitsschritt zu halten. Man verbringt Wochen mit der Entwicklung und beginnt „am Tag" der Fertigstellung mit der Werbung. Aber auf der Welt gibt es niemanden, der auf dein Produkt wartet. Aus dem Nullzustand heraus plötzlich Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist schwerer, als im Lotto zu gewinnen. Dreh die Reihenfolge um — während des Bauens Nutzer gewinnen ist der Siegweg der Solo-Entwicklung.

Mit „Build in Public" am Veröffentlichungstag ein Publikum schaffen

Build in Public ist die Art, den Bauprozess selbst offen zu machen, während man voranschreitet. „Heute habe ich diese Funktion gebaut", „hier bin ich hängengeblieben", „ein Nutzer hat das gesagt" — du berichtest nicht das fertige Produkt, sondern den Zwischenstand. Menschen sind gegenüber fertiger Werbung kühl, aber vom Prozess, wie jemand etwas erschafft, lassen sie sich mitreißen. Sie wollen anfeuern, folgen aus Neugier auf den Fortschritt. Am Veröffentlichungstag werden diese Leute zum ersten Publikum.

① Den Prozess in Häppchen teilen

Screenshots, Hänge-Geschichten, getroffene Entscheidungen. 2–3 Mal pro Woche reicht. Wichtiger als perfekte Texte ist „Dranbleiben". Übliche Kanäle sind X (ehemals Twitter) und Indie Hackers.

② Eine „Warteschlange" schaffen

Stelle vor der Fertigstellung eine einfache Landingpage + E-Mail-Anmeldung auf. Schon „Ich melde mich, wenn es fertig ist" ergibt eine Interessentenliste. Am Veröffentlichungstag benachrichtigst du diese Liste auf einen Schlag.

③ Über das Problem Mitstreiter finden

Berichtest du „was mich selbst plagt", sammeln sich Leute mit demselben Problem. Genau das sind Interessenten. Schon vor dem Bauen siehst du das Gesicht von „für wen ich baue".

💡 Ein typischer Fehler: „Ich berichte erst nach der Fertigstellung." Dann ist das Publikum am Veröffentlichungstag null und es herrscht wieder Windstille. Umgekehrt sammelt schon das bloße „so etwas will ich bauen" aus einem Stadium, in dem noch nichts fertig ist, Reaktionen und wird zur Motivation beim Bauen. Die Windstille tut weit mehr weh als die Peinlichkeit.

Zuerst prüfen, ob es überhaupt „begehrt" ist

Noch vor aller Kundengewinnung gilt: Was niemand begehrt, wird durch noch so viel Werbung nicht genutzt. Frage vor dem Bauen die anvisierten Nutzer nicht „Würdest du das nutzen, wenn es das gäbe?", sondern „Wie löst du dieses Problem gerade jetzt?". Auf Ersteres kommt aus Höflichkeit ein Ja, bei Letzterem kommt die wahre Haltung heraus. Je mehr bestehende Ersatzmittel es gibt (Handarbeit, Tabellen, Erduldung), desto echter ist die Nachfrage. Wie man diese „Prüfung vor dem Bauen" mit einem minimalen Produkt dreht, behandelt der Leitfaden, allein ein MVP zu bauen ausführlich.

2. Die ersten 10 = manuell, direkt, einen nach dem anderen holen

Ziele nach der Veröffentlichung nicht gleich auf 100. Zuerst 10. Und diese 10 holst du nicht per Social-Media-Autopost oder Werbung, sondern indem du selbst Hand anlegst und sie einzeln heranholst. In der Startup-Welt gibt es ein berühmtes Prinzip — „Do Things That Don't Scale" (Tu Dinge, die nicht skalieren). Diesen Gedanken hat Paul Graham, Mitgründer von Y Combinator, in einem gleichnamigen Essay dargelegt: Anfangs ist es richtig, Effizienz aufzugeben und jeden Einzelnen von Hand zu gewinnen (Quelle: Paul Graham „Do Things That Don't Scale").

🤝 Direkt ansprechen

Bitte Bekannte, die dieses Problem haben dürften, oder auf Social Media Vernetzte persönlich: „Ich habe was gebaut, probier es doch mal aus." Nicht der Massenpost, sondern die 1-zu-1-Nachricht wirkt.

👀 Beim Benutzen daneben zusehen

Lass es nach Möglichkeit vor deinen Augen benutzen (auch per Bildschirmfreigabe). Wo es hakt und was missverstanden wird, siehst du auf einen Schlag. Bei 10 Leuten kommen Verbesserungspunkte zuhauf heraus.

🛎️ Übertrieben aufmerksam betreuen

Frühe Nutzer übermäßig aufmerksam betreuen. Auf Wünsche sofort reagieren, danken, Namen merken. Diese „Begeisterung" wird zum Keim der Mundpropaganda. Über Effizienz denkst du später nach.

Warum tut man so etwas Ineffizientes? Es gibt zwei Gründe. Erstens ist die Stimme früher Nutzer das einzige Material, um das Produkt in die richtige Richtung zu korrigieren. Haken 10 Leute an derselben Stelle, korrigierst du eben dort. Zweitens werden aufmerksam behandelte frühe Nutzer zu begeisterten Fürsprechern und bringen von sich aus Leute mit. 10 Leute zu begeistern, sodass jeder einen weiteren empfiehlt, ist im Ergebnis schneller und stärker, als 100 per Werbung zu sammeln.

🎯 Das Ziel der 10er-Phase ist nicht die „Zahl", sondern die „Gewissheit". Wie viele von 10 sagen „ohne das komme ich nicht aus"? Ist das dünn und du weitest dennoch auf 100 oder 1.000 aus, laufen sie ab wie Wasser aus einem löchrigen Eimer. Zuerst die Form zu finden, mit der du eine Person wirklich zufriedenstellst, ist die Arbeit dieser Phase.

3. Die ersten 100 = danach suchen, wo sie sind, und beitragen statt aufzudrängen

Hast du mit 10 ein Gefühl bekommen, folgen die 100. Ab hier reichen „Bekannte" nicht mehr, du musst Fremde erreichen. Das Prinzip ist einfach — geh dorthin, wo sich die Nutzer bereits versammeln. Nicht auf deinem eigenen Social-Media-Kanal vor dich hin murmeln und warten, sondern in die Communitys, Foren und sozialen Netzwerke hineingehen, die deine Zielnutzer täglich sehen.

Zuerst festlegen, „wo sie sind"

Wo im Netz verbringen die Nutzer deines Produkts ihre Zeit? Sind es Designer, Entwickler oder Menschen mit einem bestimmten Hobby? Je nachdem ist der optimale Ort völlig anders. Schreibe zunächst 3–5 „Treffpunkte" heraus.

💬 Themenbezogene Communitys

Passende Subreddits auf Reddit, Discord-Server, Slack-Communitys. Nach Problem gebündelt versammeln sich Leute dicht.

🛠️ Orte, wo Schaffende sich treffen

Indie Hackers, Hacker News. Andere Solo-Entwickler sind zugleich Weggefährten und frühe Nutzer.

🚀 Launch-Plattformen

Product Hunt ist einer der seltenen Orte mit „Leuten, die neue Produkte suchen kommen". Stimme den Veröffentlichungszeitpunkt darauf ab.

📱 Die entsprechende Social-Media-Szene

Die Themen-Creator und Hashtags auf X oder LinkedIn. Nimm an den Gesprächen dieses Kreises teil.

Nicht per „Aufdrängen", sondern per „Beitrag" einsteigen

Hier irren sich 9 von 10. Sie gehen in eine Community und posten gleich „ich hab was gebaut, bitte nutzt es" mit Link. Das wird sofort gehasst und führt im schlimmsten Fall zum BAN (Ausschluss). Denn eine Community ist kein Werbeplatz. Richtig ist das Gegenteil: erst ein Beitragender werden.

❌ So steigt man ungeliebt ein
  • Am ersten Tag den Produktlink posten
  • Eigene Werbung in unpassende Themen einstreuen
  • Per DM massenhaft anpreisen (gilt als Spam)
  • Fragen nicht beantworten, nur von sich reden
✅ So steigt man vertrauensvoll ein
  • Erst die Fragen anderer sorgfältig beantworten
  • Nützliches Wissen des Fachgebiets unentgeltlich teilen
  • Bei jemandes Problem beiläufig „das hab ich tatsächlich gebaut" erwähnen
  • Den Link ins Profil setzen und antworten, wenn gefragt

Der Trick ist, „ohne über das eigene Produkt zu reden, ein Mensch zu werden, der in diesem Feld nützlich ist". Wirst du als nützlich wahrgenommen, richtet sich das Interesse ganz von selbst auf das, was du gebaut hast. Es dauert, aber genau das bringt die am wenigsten ungeliebten und am stärksten bindenden Nutzer. Halte die Reihenfolge ein: erst in einer Community Vertrauen aufbauen, dann zur nächsten. Statt gleichzeitig in fünf dünn herumzustochern, bringt es mehr, in einer dicht beizutragen.

🧭 Nutzt du Product Hunt, bereite dich vor. Bring es nicht am Tag selbst aus dem Stand, sondern richte vorab dein Profil ein und teile deinen Followern oder der genannten E-Mail-Liste mit „ich launche am X., bitte unterstützt mich". Bei Launch-Plattformen entscheidet der Anfangsschub (die Reaktion direkt nach der Veröffentlichung) über das Wachstum. Auch hier wirkt „das Vorbereiten von vor dem Bauen".

4. Gefunden werden = mit Suche und KI-Suche kontinuierlichen Zustrom schaffen

Manuelle Kundengewinnung und Community-Arbeit sind stark, haben aber die Schwäche, dass alles stoppt, sobald du dich nicht mehr bewegst. Parallel dazu legst du deshalb einen Trichter an, bei dem „dich auch im Schlaf Leute finden" — Zustrom aus Suchmaschinen und KI-Suche. Das braucht Zeit, bis es wirkt, aber sobald es einmal läuft, wird es zu einem „Vermögen", bei dem der Zustrom weitergeht, auch wenn du die Hände in den Schoß legst. Parallel zur 10er- und 100er-Phase solltest du früh die Saat säen.

Suche (SEO): Leute abfangen, die nach dem Problem suchen

Das Problem, das dein Produkt löst, suchen Menschen aktiv. „Wie mache ich X", „X Tool", „X geht nicht" — bereite für solche Problem-Keywords nützliche Artikel vor und erwähne darin dein Produkt beiläufig. Mit der Produkt-Landingpage allein landest du nicht in der Suche. Inhalte zu „Anleitung, Vergleich, Problemlösung" werden zum Eingang.

KI-Suche (AEO/LLMO): in ChatGPT und KI-Antworten erscheinen

Jetzt im Jahr 2026 fragen Nutzer nicht mehr nur Google, sondern direkt ChatGPT, Perplexity oder Googles AI Overviews „was ist empfehlenswert?". Ob man dort namentlich genannt wird, ist die neue Wegscheide der Kundengewinnung. Diese „Optimierung, um von KI zitiert/empfohlen zu werden" nennt man AEO (Answer Engine Optimization) / LLMO (Large Language Model Optimization).

🔎 SEO: mit Problem-Artikeln den Eingang schaffen

Das Gesamtbild der Methode findest du in SEO/AEO im KI-Zeitalter. Der Standard ist, über Artikel einzusteigen, die die „Sorgen" der Suchenden beantworten.

🤖 Was AEO ist

In Was ist AEO (Answer Engine Optimization)? lernst du die Grundlagen einer Schreibweise, die KI leicht als „Antwort" zitiert.

🧠 Was LLMO ist

In Was ist LLMO (Large Language Model Optimization)? lernst du systematisch die Denkweise, um von KI empfohlen zu werden.

📝 Der Punkt: Inhalte, die bei AEO/LLMO wirken, und Wissen, das in einer Community nützt, sind dasselbe. „Ein Text, der die Sorgen dieses Felds sorgfältig beantwortet" wird von Menschen wie von KI geschätzt. Die Mittel der Kundengewinnung sind nicht voneinander getrennt — ein einziger hochwertiger Inhalt wirkt in Suche, KI und Community mehrfach. Zu schreiben lohnt sich allemal.

5. KI für die Kundengewinnung nutzen = Vorarbeit bei Texten, Assets, Analyse

Die Mühsal der Kundengewinnung liegt für Solo-Entwickler darin, „Bauen" und „Verkaufen" allein in Personalunion zu machen. Texte schreiben, Bilder erstellen, Zahlen ansehen — alles selbst. Nutzt du hier KI als „Vorarbeiter des Kundengewinnungs-Teams", wird die Last mit einem Schlag leichter. Der Trick ist nicht, ein fertiges Produkt hinwerfen zu lassen, sondern die KI 70 % der Grundlage bauen zu lassen und die letzten 30 % mit eigenen Worten fertigzustellen.

✍️ Entwürfe für Beiträge

Build-in-Public-Posts, Launch-Ankündigungen, Vorstellungstexte für Communitys. Bitte um „drei Varianten dieser Funktion für diese Leserschaft", wähle die gute aus und bring sie in deine Stimme. Um ein Vielfaches schneller als von null zu schreiben.

🎨 Assets erstellen

Titelbild, OGP, Aufbau-Ideen für ein Demo-GIF. „Einigermaßen" reicht. Statt aufwendigen Designs bringt es bei der Kundengewinnung mehr, schnell ein aussagekräftiges Bild bereitzustellen.

📊 Analyse und Verbesserungsideen

Füge Web-Analytics oder Nutzerstimmen ein und bitte um „drei Ursachen für Absprünge und Gegenmaßnahmen". Sie liefert Perspektiven, die man allein nicht bemerkt. Die Entscheidung triffst du, den Rohentwurf liefert die KI.

⚠️ Die Falle des KI-Alles-Delegierens: Der „am Fließband produzierte Schablonentext", so wie die KI ihn geschrieben hat, wird von Lesern wie von Communitys durchschaut. Er berührt niemanden und gilt bisweilen als Spam. Die „nur von dir schreibbaren Teile" — Erlebnisse, Zahlen, Fehlergeschichten — bringst du unbedingt selbst ein. KI bis zur Vorarbeit, das Würzen machst du. Kundengewinnung wirkt in dem Moment nicht mehr, in dem du sie per Copy-Paste am Fließband erzeugst.

Wer KI nicht nur zur Kundengewinnung, sondern breiter als Partner beim Aufbau eines Nebeneinkommens nutzen will, für den ist auch Wie man mit KI ein Nebeneinkommen startet hilfreich. Die Muster für Beiträge, Analyse und Asset-Erstellung sind mit der Kundengewinnung in der Solo-Entwicklung fast identisch.

6. Ein System zum Durchhalten = messen und Maßnahmen drehen

Kundengewinnung ist nicht „einmal ins Schwarze treffen", sondern klein testen, wirksame Züge ausbauen, unwirksame verwerfen — diese Schleife dreht man fortwährend. In der Solo-Entwicklung ist die Zeit begrenzt. Gerade deshalb musst du messen, „welche Kundengewinnung tatsächlich Leute gebracht hat", und dich auf den Siegweg konzentrieren. Nach Gefühl „irgendwie Social Media" weiterzumachen, wird leicht zur Zeitverschwendung.

📥 Die Zugriffsquelle ansehen

In der Web-Analytics erfassen, „woher sie kamen". Suche, Social Media, Community, Empfehlung — was wirkt?

🚪 Die Absprünge ansehen

Wo die Gekommenen abspringen. Vor der Registrierung? Bei der ersten Bedienung? Behebst du das, bleiben bei gleicher Zugriffsmenge mehr.

🔁 Einen Zug nach dem anderen testen

Nicht alles auf einmal ändern. Einen pro Woche testen, die Wirkung sehen und entscheiden, ob behalten oder verwerfen.

📣 Empfehlungen anstoßen

Sag zufriedenen Nutzern ein Wort: „Erzähl es gern weiter." Mundpropaganda ist die günstigste und stärkste Kundengewinnung.

Kein Wasser in einen „löchrigen Eimer" gießen

Bevor du dich bei der Kundengewinnung anstrengst, prüfe die Bindung (Retention). Sammelst du mühsam 100 Leute, springen aber alle sofort ab, ist Kundengewinnung, als würdest du Wasser in ein Sieb gießen. Zuerst einen Zustand zu schaffen, in dem die Gekommenen „es wieder nutzen", ist oft kostenwirksamer, als die Neugewinnung zu erhöhen. Bekommst du in der 10er-Phase die Stimme „ohne das komme ich nicht aus"? — Kehre hierher zurück und prüfe es. Erst wenn die Bindung bestätigt ist, gib bei der Kundengewinnung Gas — so ist die Reihenfolge.

💰 Hinter der Kundengewinnung steht die Monetarisierung. Bleiben 100 Leute gratis dabei, folgt als Nächstes das Design, „sich bezahlen zu lassen". Zu welchem Preis und wie man abrechnet, ist eine andere Fähigkeit — mit dem Leitfaden zu Monetarisierung und Preisgestaltung in der Solo-Entwicklung beherrschst du die Grenzziehung zwischen Gratis/Bezahlt und die Denkweise der Preisbildung. Erst als Paket aus Kundengewinnung und Monetarisierung wird es zu „durchhaltbarer Solo-Entwicklung".

Fazit

  • Der wahre Engpass der Solo-Entwicklung ist nicht das Bauen, sondern die Kundengewinnung. „Baust du es, kommen sie" ist eine Illusion.
  • Kundengewinnung beginnt schon vor dem Bauen. Berichte mit Build in Public über den Prozess und halte Publikum und Interessentenliste für den Veröffentlichungstag bereit.
  • Die ersten 10 per nicht skalierender manueller Gewinnung. Einzeln ansprechen, aufmerksam betreuen, Gewissheit erlangen.
  • Die 100 sammelst du, indem du dort, wo die Nutzer sind, beiträgst. Aufdrängen wird gehasst, wer nützt, wird geschätzt.
  • Parallel das Vermögen aus Suche und KI-Suche (SEO/AEO/LLMO) anlegen, damit man dich auch im Schlaf findet.
  • KI ist der Vorarbeiter. Überlass ihr Beiträge, Assets, Analyse, und die nur von dir schreibbaren Teile machst du selbst.
  • Messen und Maßnahmen drehen. Erst die Bindung festigen, dann bei der Kundengewinnung Gas geben.

„Gebaut, aber keiner nutzt es" ist kein Problem von Talent oder Produkt. Du hast nur die andere Fähigkeit, die Kundengewinnung, noch nicht begonnen. Und die lässt sich wie Code lernen und durch Übung besser. Der erste Schritt, den du heute gehen kannst, ist klein — berichte einmal über das, was du gerade baust. Kommt eine Reaktion zurück, ist das deine erste Person. Die 100 liegen dahinter, indem du diese eine Person 100-mal übereinanderstapelst. Ohne Hast, einen nach dem anderen. Füge zur Kraft des Bauens die Kraft des Lieferns hinzu.

FAQ

F. Ich habe schon veröffentlicht und es herrscht Windstille. Ist es jetzt noch zu retten?

A. Ja. Der Veröffentlichungstag ist nur ein Tag der Kundengewinnung. Du kannst jetzt mit Build in Public (dem Berichten über den Verbesserungsprozess) beginnen und beim manuellen Gewinnen der ersten 10 neu ansetzen. „Es gibt bereits etwas Lauffähiges" ist sogar ein Vorteil. Lass das Produkt, wie es ist, und beginne nur die Kundengewinnung neu.

F. Ich habe null Follower auf Social Media. Bringt das Berichten überhaupt etwas?

A. Alle beginnen bei null. Statt zuerst Follower aufzubauen, ist es der kürzere Weg, in einer Community beizutragen, in der sich bereits Leute versammeln. Während du Fragen anderer beantwortest und Wissen teilst, wirst du bekannt, und von dort wachsen auch deine eigenen Follower. Statt den eigenen Acker zu bestellen, geh erst dorthin, wo Betrieb herrscht.

F. Sammeln sich mit Werbung nicht schneller Leute?

A. Anfangs nicht empfehlenswert. Schaltest du Werbung, bevor du weißt „wen was anspricht", verbrennst du nur Geld. Finde erst mit den manuellen 10 und den 100 aus der Community die „ansprechende Botschaft" und das „bindende System". Werbung nach dem Erkennen des Erfolgsmusters passt erst dann kostenwirksam.

F. Ich habe in einer Community geworben und wurde gebannt (ausgeschlossen).

A. Ein häufiger Fehler. Die Ursache ist, dass vor dem Beitrag verkauft wurde. Eine Community ist kein Werbeplatz. Liefere erst einige Wochen rein nützliche Antworten und Wissen, gewinne Vertrauen und stelle es dann vor, wenn du gefragt wirst — hältst du diese Reihenfolge ein, wirst du nicht gehasst. Einen Link ins Profilfeld zu setzen, ist meist okay.

F. Die Kundengewinnung frisst meine Zeit, die Entwicklung kommt nicht voran.

A. Diese Sorge weist in die richtige Richtung — Solo-Entwicklung sind die zwei Räder „Bauen" und „Liefern", mit nur einem kommt man nicht voran. Überlass der KI die Vorarbeit bei Texten, Assets und Analyse, reduziere die Last der Kundengewinnung und stecke die frei gewordene Zeit in die Entwicklung. Und mach nicht wahllos jede Kundengewinnung, sondern beschränke dich per Messung auf die 1–2 wirksamen Züge — so steigerst du den Ertrag pro Zeit.