Inhaltsverzeichnis
- 1. Was Remote Control ist — es läuft nicht in der Cloud, sondern auf Ihrem PC
- 2. Vier Wege, aus der Ferne zu arbeiten — und welche davon Ihren eigenen PC nutzen
- 3. Der Einstieg — drei Startwege und wann welcher passt
- 4. Was vom Handy aus geht und was nicht
- 5. Wie es Sie zurückholt — Push-Benachrichtigungen
- 6. Wie es funktioniert — warum kein Port geöffnet werden muss
- 7. Sicherheit — es gibt genau ein Tor, und das ist Ihr Konto
- 8. Ursachen eingrenzen, wenn nichts verbindet oder die Verbindung abbricht
- 9. Remote Control oder Dispatch
- Zusammenfassung
- FAQ
Mit Remote Control verbinden Sie sich vom Handy oder aus einem Browser mit einer Claude-Code-Session, die auf Ihrem eigenen Rechner läuft, und arbeiten dort einfach weiter. Die offizielle Beschreibung lautet: „Beginnen Sie eine Aufgabe am Schreibtisch und nehmen Sie sie danach auf dem Sofa am Handy oder im Browser eines anderen Rechners wieder auf" (Continue local sessions from any device with Remote Control).
Nur eines müssen Sie hier wirklich festhalten. Claude läuft von Anfang bis Ende auf Ihrem Rechner. Codeausführung und Dateizugriff bleiben an Ihrem Schreibtisch. Handy und claude.ai sind ein Fenster in diese lokale Session, nicht der Ort, an dem sie ausgeführt wird.
📌 Worauf dieser Artikel beruht: Verhalten, berechtigte Pläne und Standardwerte wurden anhand der offiziellen Dokumentation von Anthropic geprüft (Remote Control, Platforms and integrations, Data usage, Advanced setup). Versionsabhängiges Verhalten ist mit der jeweils nötigen Version ausgewiesen. Trusted Devices befindet sich in der Beta.
1. Was Remote Control ist — es läuft nicht in der Cloud, sondern auf Ihrem PC
Wenn Menschen hören, man lasse eine KI vom Handy aus entwickeln, stellen sich die meisten einen Container vor, der irgendwo in der Cloud hochfährt. Remote Control ist genau andersherum gebaut. Weder die Rechenarbeit noch die Dateien wandern; nur der Ort, von dem aus Sie steuern, wechselt.
Dieser Unterschied entscheidet alles, was Sie damit tun können. Die offizielle Dokumentation nennt vier Punkte.
Die ganze lokale Umgebung bleibt nutzbar
Dateisystem, MCP-Server, Werkzeuge und Projektkonfiguration bleiben verfügbar. Tippen Sie am Handy @, vervollständigt es Pfade aus Ihrem lokalen Projekt.
Beide Oberflächen gleichzeitig
Das Gespräch und der Fortschritt von Subagents und Workflows bleiben auf allen verbundenen Geräten synchron. Ob Terminal, Browser oder Handy: Es ist ein einziges Gespräch.
Fotos und Dateien senden
Angehängte Fotos liest Claude direkt als Teil Ihrer Nachricht. Andere Dateien lädt Claude Code auf Ihren Rechner herunter und übergibt sie als @-Referenz.
Es übersteht Unterbrechungen
Schläft der Laptop ein oder bricht die Leitung ab, verbindet es sich beim Aufwachen automatisch neu. Updates von Subagents und Workflows aus der Lücke werden gepuffert und ausgeliefert, sobald die Verbindung steht.
Der letzte Punkt wiegt schwerer, als er klingt. „Vor dem Einsteigen einen Build anstoßen und das Ergebnis beim Aussteigen abholen" zerbricht nicht daran, dass unterwegs ein Tunnel kam.
Was Sie brauchen, um es zu nutzen
| Voraussetzung | Inhalt |
|---|---|
| Plan | Pro, Max, Team oder Enterprise. Mit einem API-Schlüssel geht es nicht. Bei Team und Enterprise ist es aus, bis ein Owner den Schalter in der Verwaltungskonsole umlegt |
| Authentifizierung | Mit /login bei claude.ai anmelden. Langlebige Token aus claude setup-token oder CLAUDE_CODE_OAUTH_TOKEN können keine Verbindung aufbauen, denn sie erlauben ausschließlich Modellanfragen |
| API-Endpunkt | Eine direkte Verbindung zu api.anthropic.com ist Pflicht. Amazon Bedrock, Google Cloud's Agent Platform und Microsoft Foundry werden nicht unterstützt. Ebenso wenig ein ANTHROPIC_BASE_URL, das auf einen anderen Host zeigt (ab v2.1.196) |
| Umgebungsvariablen | DISABLE_TELEMETRY, DO_NOT_TRACK, CLAUDE_CODE_DISABLE_NONESSENTIAL_TRAFFIC und DISABLE_GROWTHBOOK stoppen alle die Auswertung der Feature-Flags, weshalb die Funktion ausfällt, sobald eine davon gesetzt ist |
| Vertrauen für den Workspace | Einmal claude im Projektverzeichnis starten und den Vertrauensdialog bestätigen. Im Home-Verzeichnis wird das Vertrauen nicht gespeichert, beginnen Sie also immer auf der Projektseite |
⚠️ Die vierte Voraussetzung, die Umgebungsvariablen, übersieht man leicht. Viele setzen DO_NOT_TRACK aus Datenschutzgründen, und genau deshalb bekommen sie zu hören, die Funktion sei für ihr Konto nicht aktiviert. Ein Musterfall einer Ursache, die man kaum bei der eigenen Konfiguration sucht; claude doctor zeigt Ihnen, welche Prüfung durchgefallen ist.
2. Vier Wege, aus der Ferne zu arbeiten — und welche davon Ihren eigenen PC nutzen
Claude Code bietet mehrere Wege, weiterzuarbeiten, wenn Sie nicht am Terminal sitzen, und die erste Weggabelung ist, welche davon auf Ihrem Rechner laufen und welche in der Cloud. Liest man die offizielle Plattformübersicht entlang dieser Achse, ergibt sich dieses Bild.
| Weg | Auslöser | Wo Claude läuft | Wofür geeignet |
|---|---|---|---|
| Remote Control | Verbindung zu einer laufenden Session | Ihr eigener PC (CLI oder VS Code) | Laufende Arbeit steuern und freigeben |
| Dispatch | Eine Aufgabe vom Handy schicken | Ihr eigener PC (Desktop-App) | Arbeit abgeben, während Sie unterwegs sind |
| Channels | Ereignisse aus Telegram, Discord und Ähnlichem | Ihr eigener PC (CLI) | Reaktion auf externe Ereignisse wie einen CI-Fehlschlag |
| Claude Code on the web | Aufgabe auf claude.ai/code einstellen | Die Cloud von Anthropic | Arbeit ohne lokale Umgebung, parallele Läufe |
Die oberen drei laufen auf Ihrem eigenen PC. Deshalb erreichen sie Dinge, die es nur lokal gibt: ein Repository, das Sie nirgendwo sonst geklont haben, eine Datenbank hinter dem Firmennetz, eine installierte Toolchain, einen Deployment-Schlüssel. Hier liegt genau das, was eine Cloud-Session prinzipiell nicht kann.
Manchmal ist die Cloud gar keine Option
Leicht zu übersehen, aber wahr: Der Hosting-Ort Ihres Repositorys engt die Auswahl ein. Die offiziellen Einschränkungen sagen es klar: Repositories klonen und Pull Requests eröffnen setzt GitHub voraus, und Repositories außerhalb von GitHub, etwa auf GitLab oder Bitbucket, lassen sich zwar als lokales Bundle schicken, die Ergebnisse aber nicht ins Remote zurückschieben.
Wer einen eigenen Git-Server oder ein internes GitLab betreibt, dem bleiben als praktische Wege der Fernarbeit Remote Control und Dispatch. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Entscheidung, die Ihr Aufbau für Sie trifft.
3. Der Einstieg — drei Startwege und wann welcher passt
Die CLI kennt drei Startwege, und Sie wählen danach, ob Sie eine Session mitnehmen oder mehrere annehmen wollen.
1. Das Gespräch mitnehmen, das gerade läuft
Wenn Sie ohnehin schon in einer Claude-Code-Session sind, reicht das hier.
/remote-control
Offiziell heißt es: „startet eine Remote-Control-Session, die Ihren bisherigen Gesprächsverlauf übernimmt". Kurzform ist /rc, und ein Argument wird zum Sessionnamen (/remote-control Artikelkorrektur). Das ist die kürzeste Antwort auf „mitten in der Arbeit kommt etwas dazwischen". In der VS-Code-Erweiterung gibt es denselben Befehl.
2. Von vornherein mit aktivierter Fernsteuerung starten
claude --remote-control "Projektname"
Damit startet eine ganz normale interaktive Session, an der bereits eine Fernverbindung hängt. Kurzform ist --rc. Sie können es im Terminal tippen, und Sie können es vom Handy schicken.
3. Servermodus — mehrere Sessions annehmen
claude remote-control
Der Prozess bleibt als Server im Speicher und wartet auf Verbindungen von außen. Ein Druck auf die Leertaste zeigt einen QR-Code, den Sie mit der Handykamera scannen und damit direkt verbunden sind.
| Flag | Wirkung |
|---|---|
--name "..." |
Legt den Namen fest, der in der Sessionliste auf claude.ai erscheint |
--spawn worktree |
Legt für jede Session ein eigenes git worktree an (setzt ein Git-Repository voraus). Beim Standard same-dir teilen sich alle Sessions ein Arbeitsverzeichnis, gleiche Dateien zu bearbeiten führt also zu Konflikten. Zur Laufzeit mit der Taste w umschaltbar |
--spawn session |
Nimmt nur eine einzige Session an und weist weitere Verbindungen ab |
--capacity N |
Obergrenze gleichzeitiger Sessions (Standard 32) |
--continue / --session-id |
Holt Sessions eines gestoppten Servers zurück (ab v2.1.200) |
Am Handy öffnen
Es gibt drei Wege zur Verbindung: die Session-URL im Browser öffnen, den QR-Code scannen oder die Session in der Claude-App aus der Liste wählen. In der mobilen App ist „Code" in der Navigation die Sessionliste, und Remote-Control-Sessions erscheinen dort mit einem Computersymbol und einem grünen Punkt.
Ist die App noch nicht installiert, bringt /mobile innerhalb von Claude Code einen QR-Code für den Download hervor (iOS / Android).
💡 Der QR-Code ist eine Abkürzung, keine Authentifizierung. Lassen Sie ihn weg, kommen Sie über die Liste in der App genauso ans Ziel. Über den Zugriff entscheidet, wessen Konto es ist, und nicht, wer die URL kennt — dazu mehr in Kapitel 7.
Wenn Ihnen das Verbinden jedes Mal zu lästig wird
Die automatische Verbindung ist standardmäßig aus und greift nur, wenn Sie sie ausdrücklich starten. Für eine dauerhafte Verbindung nehmen Sie Enable Remote Control for all sessions in /config oder setzen remoteControlAtStartup in einer Einstellungsdatei auf true.
Hier steckt eine gut überlegte Asymmetrie. Ein false in den Projekteinstellungen (.claude/settings.json) wird respektiert, ein true hingegen ignoriert. So kann eine eingecheckte Datei nicht stillschweigend für alle, die das Repository öffnen, Remote Control einschalten.
4. Was vom Handy aus geht und was nicht
Auf dem verbundenen Gerät läuft alles auf, was im Terminal passiert. Bei den Slash-Befehlen ist allerdings eine Linie gezogen.
✅ Vom Handy und im Web verfügbar
/compact /clear /context /usage /recap /exit
In Argumentform: /model sonnet /effort high /rename /fast /color/mcp (ab v2.1.166), /config key=value (ab v2.1.181), /autocompact 500k (ab v2.1.221)
❌ Nur lokal
/plugin, /resume und alles andere, was nur in der Terminal-Oberfläche Sinn ergibt. Argumente helfen dabei nicht.
Dass ausgerechnet /resume zum Gesprächswechsel nur lokal geht, spürt man im Alltag: Wer zu einem anderen Gespräch wechseln will, muss zurück an den PC.
Befehle, die im Terminal eine Auswahlliste oder einen Regler öffnen, werden am Handy durch die Argumentform ersetzt. Heißt konkret: /model sonnet schreiben, statt /model allein zu tippen.
Sie können Berechtigungsabfragen beantworten, und das ist der eigentliche Gewinn
Am meisten bringt in der Praxis, dass Berechtigungsabfragen und Rückfragen auf Ihr Handy weitergereicht werden. Die Dokumentation hält ausdrücklich fest, dass Claude Code sie offen hält, bis Sie antworten. Die Stunden, in denen eine lange Aufgabe wartend vor einer Freigabe steht, bis Sie nach Hause kommen, entfallen einfach.
Andere Arten von Dialogen haben allerdings eine Frist. Alles außer Berechtigungsabfragen und Rückfragen — etwa die Modellauswahl nach einer Sicherheitsablehnung — wartet standardmäßig fünf Minuten, schließt sich dann und macht mit dem Standardwert „nichts tun" weiter. Mit dialogExpiry lässt sich das anpassen oder abschalten (ab v2.1.224).
Wie lange eine Änderung an Modell oder Effort bestehen bleibt
| Aktion | Reichweite der Wirkung |
|---|---|
| In der Modellauswahl des Geräts wählen | Nur diese Session |
/model <Name> senden |
Ändert auch den Standard für neue Sessions (genau wie im Terminal getippt) |
| Eine Effort-Stufe wählen | Nur diese Session. Ist sie über CLAUDE_CODE_EFFORT_LEVEL festgezurrt, wird die Änderung abgelehnt (ab v2.1.234) |
Dieselbe Handlung, das Modell zu wechseln, wirkt unterschiedlich lange, je nachdem, ob Sie es in der Oberfläche wählen oder als Befehl schicken. Genau daraus entsteht das Missgeschick, unterwegs auf ein leichteres Modell zu wechseln und den Standard gleich mitzuverstellen.
5. Wie es Sie zurückholt — Push-Benachrichtigungen
Solange Remote Control aktiv ist, schickt Claude Push-Benachrichtigungen. Laut Dokumentation kommen sie typischerweise, wenn eine lange Aufgabe fertig ist oder wenn eine Entscheidung von Ihnen nötig ist, um weiterzumachen. Sie können eine auch ausdrücklich im Prompt anfordern, etwa mit notify me when the tests finish.
Die Konfiguration besteht aus zwei Schaltern in /config und sonst nichts; eine Einstellung je Ereignis gibt es nicht.
Push when Claude decides
Benachrichtigungen nach Claudes eigenem Ermessen. Der Abschluss einer langen Aufgabe fällt hierunter.
Push when actions required
Berechtigungsabfragen und Rückfragen. Die Meldung, die Ihnen sagt, dass etwas steht und wartet.
Ein mitdenkendes Detail: Solange Sie das Terminal aktiv benutzen, kommt kein Push. Darüber hinaus sorgt CLAUDE_CLIENT_PRESENCE_FILE mit dem Pfad zu einer Markerdatei (ab v2.1.181) dafür, dass Benachrichtigungen ausbleiben, solange diese Datei existiert — legen Sie sie beim Entsperren des Bildschirms an und löschen Sie sie beim Sperren, dann bleibt es auch in den Phasen still, in denen Sie zwar in einem anderen Fenster arbeiten, aber am PC sitzen.
📱 Der übliche Verdächtige, wenn nichts ankommt: Steht in /config ein No mobile registered, dann frischt ein Öffnen der Claude-App auf dem Handy das Push-Token auf. Unter iOS verzögern Fokus-Modi und Mitteilungszusammenfassungen die Zustellung, unter Android die Akkuoptimierung. Prüfen Sie also auch das.
6. Wie es funktioniert — warum kein Port geöffnet werden muss
Das Erste, wovor man bei jeder Geschichte über das Fernsteuern des Heim-PCs gewarnt sein sollte, ist ein offener eingehender Port. Wer SSH ins Netz stellt, wird zum Ziel von Brute-Force-Angriffen, bei VNC ist es nicht anders. Remote Control umgeht das von der Bauart her.
Die Dokumentation ist eindeutig: „Ihre lokale Claude-Code-Session stellt ausschließlich ausgehende HTTPS-Anfragen und öffnet niemals eingehende Ports auf Ihrem Rechner."
1. Registrieren
Das lokale claude meldet sich selbst bei der Anthropic-API an
2. Abfragen
Es holt von sich aus ab, welche Arbeit eingegangen ist
3. Vermitteln
Verbindet sich das Handy, leitet der Server die Nachrichten zwischen beiden weiter
Der gesamte Verkehr läuft über die Anthropic-API und ist durch dieselbe TLS-Verschlüsselung wie eine gewöhnliche Claude-Code-Session geschützt. Die Verbindung nutzt mehrere kurzlebige Zugangsdaten, die jeweils auf einen einzigen Zweck begrenzt und unabhängig widerrufbar sind.
Verglichen mit den klassischen Ansätzen
| Verfahren | Eingehender Port | Router-Konfiguration | Läuft lokal |
|---|---|---|---|
| SSH direkt freigeben | Nötig | Portweiterleitung | ✅ |
| VNC oder Remotedesktop | Nötig | Nötig | ✅ |
| Remote Control | Nicht nötig | Nicht nötig | ✅ |
| Cloud-Session | Nicht nötig | Nicht nötig | ❌ |
Als Nebenprodukt der NAT-Durchquerung brauchen Sie weder Router-Konfiguration noch feste IP noch DDNS. Ein PC bei den Eltern oder eine Maschine im Firmen-LAN verbindet sich, solange ausgehender Verkehr durchkommt.
7. Sicherheit — es gibt genau ein Tor, und das ist Ihr Konto
Ohne eingehenden Port verschwindet die netzseitige Angriffsfläche praktisch vollständig. Wohin ist das Risiko dann gewandert? Zum Konto.
Der QR-Code ist keine Authentifizierung
Man findet Erklärungen, die das falsch darstellen, aber der QR-Code ist keine Stufe der Authentifizierung. Es gibt drei Wege zur Verbindung — URL öffnen, QR scannen, in der App aus der Liste wählen — und sobald man sie aus einer Liste wählen kann, ist der QR-Code nur noch eine Abkürzung.
Was bewacht also das Tor? Die Dokumentation schreibt im Abschnitt zur automatischen Verbindung: „Die automatische Verbindung meldet sich mit Ihrem eigenen claude.ai-Konto an, sodass eine so gestartete Session nur in den Claude-Apps Ihres eigenen Kontos erscheint und niemandem sonst Zugriff gewährt." Sessions hängen am Konto und nicht daran, wer zufällig die URL kennt.
Und dass es nur ein Tor ist, lässt sich aus dem offiziellen Wortlaut selbst herauslesen. In der Beschreibung von Trusted Devices heißt es, dies „bindet den Zugriff auf Remote Control an ein bekanntes Gerät und eine kürzliche Authentifizierung, und nicht bloß an ein angemeldetes Konto". Umgedreht gelesen: Das Standardtor ist exakt eines, nämlich ein angemeldetes Konto.
Warum ein Tor nicht schwach ist und woran das hängt
Der Eingang ist nicht dauerhaft
Er existiert nur, solange die Session läuft. Prozess beenden, Eingang weg. Das ist keine Tür, an der rund um die Uhr gerüttelt werden kann
Langlebige Token öffnen ihn nicht
Ein geleaktes CLAUDE_CODE_OAUTH_TOKEN aus der CI lässt sich nicht in Fernsteuerung ummünzen. Die Berechtigungen sind getrennt
Ein Tor heißt: die Stärke eines Tors
Reicht ein Passwort zum Anmelden, ist Ihre Verteidigung genau ein Passwort wert. Schwäche hier hebelt alles andere aus
Damit schrumpft die Aufgabenliste auf einen einzigen Punkt: einen Passkey für claude.ai einrichten. Der Schlüssel ist an das Gerät gebunden, er widersteht Phishing, und die biometrischen Daten selbst erreichen Anthropic nie (gespeichert werden nur der öffentliche Schlüssel des Geräts und Basis-Metadaten wie Anzeigename, Plattform und Registrierungszeitpunkt). Bei Team und Enterprise lässt sich mit Trusted Devices ein registriertes Gerät plus eine höchstens 18 Stunden alte Anmeldung für die ganze Organisation erzwingen.
Gesprächsprotokolle liegen auf dem Server
Eines gehört klar gesagt. Solange Sie verbunden sind, wird das Transkript der Session — Ihre Nachrichten, Claudes Antworten, die Werkzeugaufrufe — auf den Servern von Anthropic gespeichert. Nur so funktionieren die Synchronisation über Geräte hinweg und die Erholung nach einem Verbindungsabbruch. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist das nicht.
| Konto | Aufbewahrung |
|---|---|
| Free, Pro, Max (Modellverbesserung EIN) | 5 Jahre |
| Free, Pro, Max (AUS) | 30 Tage |
| Team, Enterprise, API | 30 Tage |
Die Einstellung lässt sich jederzeit in den Datenschutzeinstellungen von claude.ai ändern. Organisationen mit Zero Data Retention können Remote Control von vornherein nicht aktivieren.
Der Fairness halber sei ergänzt: Auch gewöhnliches Claude Code schickt sämtliche Prompts und Ausgaben an die API, und die Gesprächsprotokolle liegen ohnehin schon im Klartext unter ~/.claude/projects/ auf Ihrem Rechner (standardmäßig 30 Tage, änderbar über cleanupPeriodDays). Neu hinzu kommt bei Remote Control, dass zum Zweck der Synchronisation auch serverseitig eine Kopie bestehen bleibt.
Wenn Sie das Handy verlieren
Am schnellsten und sichersten wirkt es, den Prozess claude auf dem PC zu beenden. Damit verschwindet der Eingang selbst. Danach das Passwort ändern und sich abmelden. Wer Trusted Devices nutzt, entfernt das Gerät in den Kontoeinstellungen unter Trusted devices, was seine Zugangsdaten sofort ungültig macht.
Auf dem Handy liegt kein dauerhafter Schlüssel zum PC. Der Anmeldezustand der App ist alles, weshalb Bildschirmsperre und Passkey unmittelbar Ihre Verteidigung sind.
Die Risiken, die in der Praxis wirklich beißen
⚠️ Zwei Risiken bleiben, und keines davon ist technisch — beide sind organisatorisch.
1. Auf einem kleinen Bildschirm lesen Sie den Befehl, den Sie freigeben, nicht vollständig. Berechtigungsabfragen vom Handy zu beantworten ist der größte einzelne Vorteil, und genau so kommt es dazu, dass man unterwegs überfliegt und auf „Erlauben" tippt. Besonders in einer Session mit Produktionsschlüsseln.
2. Kombiniert mit einem Modus, der Berechtigungen überspringt, ist der Türsteher weg. Legt man Fernsteuerung über einen Ablauf, der Berechtigungsabfragen umgeht, greift man von außen auf etwas zu, das gar kein Freigabetor mehr hat. Sich für eines von beiden zu entscheiden, ist die sichere Seite.
Die Isolierung über --sandbox steht als Option zur Verfügung, allerdings wird die Sandbox unter nativem Windows nicht unterstützt (WSL 2 schon). Je nach Aufbau müssen Sie also einplanen, ohne dieses Sicherheitsnetz auszukommen.
Wer es vollständig untersagen will, schaltet es mit der Einstellung disableRemoteControl ab. Eine Administratorin oder ein Administrator kann es zudem über die verwalteten Einstellungen geräteweise verbieten.
8. Ursachen eingrenzen, wenn nichts verbindet oder die Verbindung abbricht
Die Fehlermeldungen benennen die Ursache recht genau. Hier die häufigsten.
| Symptom | Ursache und Abhilfe |
|---|---|
| Es heißt, ein claude.ai-Abo sei erforderlich | Sie sind mit einem API-Schlüssel authentifiziert. ANTHROPIC_API_KEY entfernen, dann claude auth login |
| Es heißt, ein Token mit vollem Scope sei erforderlich | Sie sind mit einem langlebigen Token vom Typ setup-token authentifiziert. Das gilt nur für Modellanfragen, also mit claude auth login neu anmelden |
| Es heißt, die Funktion sei für Ihr Konto nicht aktiviert | Meist ein veralteter Cache nach einem Planwechsel. claude auth logout und dann login ausführen. claude doctor sagt Ihnen, welche Prüfung durchgefallen ist |
| Es heißt, die Auswertung der Feature-Flags sei nötig | Eine der vier Variablen aus der DISABLE_TELEMETRY-Familie ist gesetzt. Die Meldung nennt die Variable beim Namen, prüfen Sie also sowohl die Shell-Umgebung als auch den env-Block in settings.json |
| Es heißt, Sie liefen nicht über die Anthropic-API | Entweder eine Provider-Einstellung wie Bedrock oder Foundry, oder ANTHROPIC_BASE_URL zeigt auf einen anderen Host |
Wenn es abbricht: dürfen Sie neu verbinden?
An dieser Stelle sagt die Dokumentation ausdrücklich, man solle erst den Grund lesen und dann entscheiden. Eine fehlgeschlagene Verbindung nennt Ihnen den Grund, und in den folgenden drei Fällen wird der übliche Hinweis, /remote-control auszuführen, absichtlich weggelassen.
Ein anderes Gerät hat übernommen
Nur erneut ausführen, wenn Sie sie zurückholen wollen
Anderswo beendet oder archiviert
Ein erneuter Aufruf öffnet sie selbst dann wieder, wenn sie archiviert ist
Der Server findet die Session nicht
Sie wurde womöglich von einem anderen Gerät aus gelöscht
Fällt das Netz aus, verhält es sich je nach Modus anders
Das verwirrt wirklich, wenn man es nicht weiß. Wenn die Maschine wach ist, aber das Netz längere Zeit nicht erreicht:
- Servermodus: gibt nach rund zehn Minuten auf, und der Prozess endet. Mit
claude remote-controlstarten Sie eine neue Session - Interaktive Session: Sie arbeiten lokal ganz normal weiter. Claude Code versucht es erneut, solange die Störung anhält, und verbindet sich von selbst neu, sobald das Netz zurück ist
Und wenn Sie den Server mit Ctrl+C stoppen, lassen sich die Sessions noch rund vier Stunden zurückholen (claude remote-control / --continue / --session-id). Danach fangen Sie neu an.
💡 Auf einer entfernten Maschine starten Sie es innerhalb von tmux oder screen. Die Dokumentation sagt es ausdrücklich: Bricht die SSH-Verbindung ab, stirbt der Prozess und die Session geht offline. Für den Aufbau „Claude Code auf einem Server, gesteuert vom Handy" ist das Pflicht.
9. Remote Control oder Dispatch
Beide laufen auf Ihrem eigenen PC, und genau deshalb werden sie verwechselt. Die Trennlinie ist, ob vor dem Aufbruch etwas vorbereitet sein muss.
| Aspekt | Remote Control | Dispatch |
|---|---|---|
| Vorbereitung | Nötig (zuerst am PC starten) | Nicht nötig (einmal gekoppelt, dann jederzeit spontan) |
| Wo es beginnt | Am PC, das Handy kommt später dazu | Am Handy |
| Einstieg auf dem PC | CLI oder VS-Code-Erweiterung | Desktop-App |
| Aufbau des Gesprächs | Ein Gespräch, auf allen Geräten synchron | Sie bitten ein dauerhaftes Gespräch, und es entsteht eine eigene Session |
| Pläne | Pro, Max, Team und Enterprise | Nur Pro und Max |
| Wo es hinpasst | Laufende Arbeit steuern und freigeben | Arbeit abgeben, während Sie unterwegs sind |
Man muss sich nicht für eines entscheiden. Dispatch, wenn Sie von unterwegs etwas hineinwerfen, Remote Control, wenn Sie vor dem Aufstehen vom Schreibtisch verbinden — beides parallel zu nutzen, ist die natürliche Anordnung. Die Einzelheiten zu Dispatch und wo dessen Sicherheitsgrenze verläuft, stehen in einem eigenen Artikel.
Zusammenfassung
- Remote Control verlegt den Ort, von dem aus Sie steuern, nicht den Ort der Ausführung. Lokale Dateien, MCP-Server und Werkzeuge bleiben nutzbar
- Nur ausgehendes HTTPS, kein eingehender Port. Keine Router-Konfiguration, keine feste IP, und eine kleinere Angriffsfläche als offengelegtes SSH
- Der QR-Code ist eine Abkürzung, keine Authentifizierung. Über den Zugriff entscheidet, wessen Konto es ist, und nicht, wer die URL kennt
- Es gibt ein Tor, und das ist Ihr claude.ai-Konto, weshalb ein Passkey oberste Priorität hat. Bei Team und Enterprise bindet Trusted Devices es an Gerät und biometrische Prüfung
- Während der Verbindung liegt das Transkript auf dem Server. Die Aufbewahrung teilt sich je nach Einstellung zur Modellverbesserung in 5 Jahre und 30 Tage
- Es funktioniert nur, solange der lokale Prozess lebt. Auf einer entfernten Maschine starten Sie es innerhalb von
tmuxoderscreen - Das verbleibende praktische Risiko ist organisatorisch, nicht technisch — das Antippen von Freigaben auf kleinem Bildschirm. Seien Sie in Sessions mit Produktionsschlüsseln besonders bewusst
FAQ
Q1. Geht das auch aus der Desktop-App?
Als Startwege nennt die Dokumentation die CLI und die VS-Code-Erweiterung; ein Vorgehen für den Start aus der Desktop-App ist nicht beschrieben. Andererseits gibt es die Aussage, dass ein Schalter „Settings > Claude Code > Enable remote control by default" auch in der Desktop-App existiert, sowie die Angabe, dass das Fortsetzen eines Gesprächs in Claude Desktop, in dem Remote Control aktiv war, sich wieder mit der bestehenden Session verbindet. Schauen Sie zuerst in die Einstellungen und greifen Sie zur CLI, wenn dort nichts steht.
Q2. Kann ich ein Gespräch aus der Desktop-App in der CLI weiterführen?
Sehr wahrscheinlich ja. Die Dokumentation hält ausdrücklich fest, dass VS-Code-Erweiterung, JetBrains-Plugin und Desktop-App alle nach ~/.claude/ schreiben, und Gespräche liegen unter ~/.claude/projects/. Der Ablauf: im selben Verzeichnis claude --resume ausführen, das Gespräch auswählen und dann /remote-control starten.
Q3. Mein Node.js ist alt. Kann ich die CLI trotzdem installieren?
Ja. Der native Installer benutzt kein Node.js — unter Windows ist das irm https://claude.ai/install.ps1 | iex in der PowerShell. Das npm-Paket verlangt Node.js 22 oder neuer, aber auch dort steckt eine native Binärdatei dahinter, sodass ein altes Node nur eine EBADENGINE-Warnung erzeugt und die Installation dennoch durchläuft.
Q4. Was passiert, wenn mein PC in den Ruhezustand geht?
Die Session geht offline, aber Claude Code verbindet sich automatisch neu, sobald die Maschine wieder online ist. Statusmeldungen von Subagents und Workflows aus der Lücke werden gepuffert und nach der Wiederherstellung ausgeliefert. Beenden Sie dagegen den Prozess selbst (Terminal schließen, VS Code beenden), erscheint er binnen Sekunden als offline und muss bewusst zurückgeholt werden.
Q5. Wie viele Sessions kann ich gleichzeitig verbinden?
Eine interaktive Session bedeutet eine Remote-Session je Prozess. Wollen Sie mehrere aus einem Prozess bedienen, nehmen Sie den Servermodus (claude remote-control). Die Standardgrenze liegt bei 32 Sessions und lässt sich mit --capacity ändern.
Q6. Zerlegen mehrere Sessions dieselben Dateien?
Beim Standard --spawn same-dir teilen sich alle Sessions ein Arbeitsverzeichnis, gleiche Dateien zu bearbeiten führt also zu einem Konflikt. Mit --spawn worktree bekommt jede bedarfsweise gestartete Session ein eigenes git worktree (ein Git-Repository ist nötig). Zur Laufzeit können Sie außerdem mit der Taste w umschalten.
Q7. Kann ich vom Handy aus mit /resume zu einem anderen Gespräch wechseln?
Nein. /resume ist ein rein lokaler Befehl und funktioniert auch mit Argumenten nicht. Beachten Sie: Wechseln Sie im Terminal per /resume das Gespräch, erhält das verbundene Gerät weder Verlauf noch Titel des neuen Gesprächs, aber neue Nachrichten fließen in beide Richtungen zu dem Gespräch, das im Terminal offen ist.
Q8. Worin unterscheidet es sich von Claude Code on the web?
Im Ort der Ausführung. Beide nutzen die Oberfläche unter claude.ai/code, aber Remote Control läuft auf Ihrem Rechner, sodass lokale MCP-Server, Werkzeuge und Projektkonfiguration nutzbar bleiben. Claude Code on the web läuft in der Cloud, funktioniert also ohne jede lokale Umgebung, kommt dafür an lokale Bestände nicht heran.
Q9. Funktioniert es über einen Firmen-Proxy oder ein LLM-Gateway?
Nein. Zeigt ANTHROPIC_BASE_URL auf einen anderen Host als api.anthropic.com, ist es nicht nutzbar (ab v2.1.196). Auch die Anmeldung über ein Enterprise-Gateway für Claude-Apps fällt heraus. Organisationen mit Compliance-Vorgaben wie Zero Data Retention können es ebenfalls nicht aktivieren.
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